Samstag, 13. Februar 2010

In Serie abhängig – Teil 1 : Grundlagen

Sie kennen mich als Bekenner.
Ich habe Ihnen schon viele meiner kleinen und großen Geheimnisse offenbart und fast jeden Woche kommt eines hinzu. Neben dem sehr wichtigen Bereich Ihrer Beziehungen zum jeweils anderen Geschlecht, drückt es mich einen anderen Bereich anzuschneiden, der mich mindestens genau so geprägt hat, wie der Blick über meinen körperlichen Tellerrand.
Das Fernsehen.
Keine Angst, zu meiner Zeit gab es keine Fernsehsender für Studienräte (Arte), Mercedes A Fahrer (3SAT) oder für Kleinaktionäre (N24), über Anspruch konnte ich mich also nie beklagen.
Als ich das Neonlicht der Welt erblickte(*) gab es 3 Sender und die Ostzone. Ich kann schon sagen das war ein richtiger Stellungskrieg, positive kindliche Entwicklung vs. Hirnerweichung. Mir sehr zur Hilfe kam, das meine Eltern ihren Aufsichtspflichten in der Regel nachkamen und Sendungen wie "Am laufenden Band" pädagogisch beglitten(**)
Ich wäre heute gerne Elternteil; einmal mit den perversen Plüschmonstern Tinky-Winki, Dipsy, Laa-Laa und Po drohen und schon kuscht das Blaag.
Doch zurück zu meinem Fernsehprogramm.
Schon früh begann bei mir das Gesetz der Serie zu wirken. „Lassie“, „Bonanza“, „Flipper“ oder „Plumpaquatsch“ legten die Grundlagen meiner Erziehung. Mein Empfinden für Gerechtigkeit ist „Rockford“, „Petrocelli“ und „Matlock“ zu verdanken. Durch zeitlich gut abgestimmte Ausstrahlung von Serien wie "Ein Colt für alle Fälle", "Drei Engel für Charlie“, oder "Das Modell und der Schnüffler" wurde meine primäre sexuelle Orientierung gefestigt, Reste meiner Weiblichkeit sind zwar verblieben, bewegen sich aber im gesellschaftlich anerkannten und durchaus nützlichen Rahmen.
Weitere positive Charakterzüge verdanke ich "Kung-Fu", „Alf“, oder "Starski & Hutch", diese sind Gewaltlosigkeit, Freundlichkeit zu Außerirdischen und mein guter Geschmack.
In dieser neuen Kolumnen-"Serie" werde ich Ihnen die wesentlichen Inhalte und Botschaften von einigen "meiner" Serien näher bringen. Sie sollten diese Beträge lesen wenn Sie A) nicht wie ich das Glück hatten mit diesen tollen Serien groß zu werden, aber auch B) wenn Sie meine Erfahrungen teilen. Reflexion ist immer der erste Schritt zur Heilung, möglicherweise liegen ja Ihre Probleme in Ihrer Fernsehfrüherziehung begründet.
Freuen Sie sich zusammen mit mir auf diese Kolumnen, auch ich werde die Arbeit daran genießen!
(*) geklaut bei Heinz Erhardt (Ein Eckpfeiler meiner Existenz)
(**) eine Beugung die meiner Meinung nach zu Unrecht in der Deutschen Sprache fehlt

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen