Samstag, 13. Februar 2010

Lesen Sie womöglich Trivialliteratur ?

Gerade habe ich auf dem Frankfurter Flughafen 2 Stunden Wartezeit sinnvoll verbracht, indem ich möglichst viele Menschen beobachtet, ja geradezu ausspioniert habe. Schließlich brauche ich immer neuen Stoff für Ihre Lieblingskolumne, die Sie gerade lesen. Gut, dass Sie mein hummerrotes Gesicht nicht sehen können.

Hier also ein Ergebnis meiner Beobachtungen: Da saß ein etwa 50-jähriger Mann in Geschäftskleidung am Flugsteig und las, halten Sie sich fest, in einem Perry Rhodan Heft! Kennen Sie diese unmöglichen Groschenromane, in denen seit 2500 Heften totaler Blödsinn aus einer ausgedachten Zukunft beschrieben wird? Ich dachte, so etwas lesen nur pickelige 15-Jährige ohne Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht. Rein zufällig weiss ich grob, um was es geht. Gleich zu Anfang fliegen Astronauten zum Mond, haha, als ob das möglich wäre. Bei der Landung zurück auf der Erde verhindert die Raumschiffmannschaft dann den dritten Weltkrieg. So ein Unsinn, als ob wir je damit hätten rechnen müssen!

Kaum 2500 Hefte später ist die Truppe 20 Millionen Jahre in die Vergangenheit gereist, um die Entstehung eines chaotischen Universums zu verhindern. Dazu muss ich allerdings sagen, da ist was dran, ich habe schon länger das Gefühl, dass ich in ein Chaos stürze; speziell wenn ich der Wäsche beim Drehen in der Waschmaschine zusehe oder danach versuche die Sockenpaare wieder zusammen zuführen.

Aber alles in Allem: Totaler Unsinn!

Warum erzähle ich das eigentlich? Nun, ich muss Ihnen gestehen, dass ich auch Perry Rhodan lese. Angefangen hat das im zarten Alter von 10 Jahren. Damals war ich gezwungen, für 4 Wochen die Isolierstation des Krankenhauses zu bewohnen. Nicht nur mein Körper hatte sich eine Infektion einfangen, auch mein Geist wurde befallen, der Virus war Heft 810 mir dem Titel „Angriff der Überschwerer“

Überträger des Virus war ein ca. 18 jähriger Zimmernachbar, der mir über den Balkon das Heft überreichte. Ich glaube, er durfte dafür in meinem Pinocchio Buch lesen, was für ein Tausch. Das Pinocchio Buch war übrigens ein Geschenk meiner Klassenkameraden der 4C von der Klaus Groth Schule. Zusammen mit dem Buch überbrachte mir die Klassenlehrerin kleine selbst geschriebene Zettel meiner Klassenkameraden, die bei mir die Gesundung beschleunigen sollten. Ich wette 98% der Zettel sind widerwillig und ohne Lust entstanden.

Die Zettel habe ich übrigens noch, ich plane sie irgendwann einmal für Erpressungen zu verwenden, weiß nur noch nicht wie. Ihr lieben Susannes, Gabis, Torstens und Kais, wenn Ihr an Kopien interessiert seid, meldet Euch bei mir, die Originale gebe ich aber nicht raus.

Doch zurück zu Perry, noch immer bin ich der Sucht verfallen. Heute traue ich mich natürlich nicht mehr, öffentlich zu zeigen was ich da lese. Mein Metadon ist das Hörbuch, das es mir ermöglicht, völlig unbeobachtet meiner Sucht nachzugehen.

Wenn Sie mich auf der Straße sehen und ich habe Kopfhörer auf, kämpfe ich vielleicht gerade mit Perry Rhodan gegen das Chaos.

1 Kommentar:

  1. Schöner Text, sehr schön. Ich lese auch PERRY RHODAN, na klar, muss man wohl als derjenige, der mit den Autoren an den Texten rumbastelt ...

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