Es gibt viel Elend auf der Welt, es gibt das Privatfernsehen, es gibt die Bildzeitung und es gibt Musikeinspielungen im Restaurant.
Dem Privatfernsehen kann ich ausweichen, es genügt die entsprechenden Tasten auf der Fernbedienung herauszubrechen. Auch der optischen Umweltverschmutzung durch die Boulevardpresse lässt sich etwas entgegensetzen, schließlich braucht jeder Sittigkäfig eine Unterlage für die Fäkalienaufnahme.
Aber was mache ich wenn ich Hunger habe und ich bei der Nahrungssuche in eine Lokalität mit, sagen wir, südlicher Ausrichtung gerate?
Fast immer läuft dort Musik in fragwürdiger Qualität. Je nach meiner Tagesform bewirkt bei mir die Berieselung mit fremdländischem Notengemenge, ein leichtes Brennen in der Nackengegend bis bin zu akuten Darmverschlingungen.
Gibt es wirklich Menschen denen die Nudeln nur schmecken wenn Herr Celentano „Azzuro“ brummelt, oder das Gyros nur wenn Nana Mouskouri auf griechisch ihre „Weiße Rosen nach Athen“ trägt?
Ich fürchte es liegen eine Reihe von weltumspannenden Missverständnissen vor.
Zum Einen trägt Musik nicht zu einer erweiterten Aufnahmekapazität der Geschmacksknospen bei, zum Anderen ist nicht jeder Gast automatisch gerade vom Urlaub in dem entsprechenden Land zurück oder wird in wenigen Tagen dorthin reisen. Ganz im Gegenteil, 90 % der Gäste beim Italiener oder Griechen sind sehr regelmäßig dort, aber äußert unregelmäßig in den entsprechenden Ländern anzutreffen.
Ich habe gar nichts gegen Musik, Musik kann sehr zur Erheiterung beitragen, zum Beispiel beim beliebten „Musikraten und Singen“, solche Angebote möchte ich jedoch eher im Cafe Keese angesiedelt sehen als bei der Speisewirtschaft meines Vertrauens.
Um Ihnen auch gleich den rassistischen Wind aus den Segeln zu nehmen: es gibt großartige Musik von Catarina Valente oder auch Nana Mouskouri, beide habe großartige Platten am Broadway aufgenommen. Die Platten können jeden Plattenschank in einen Heiligenschrein verwandeln, aber solche Platten habe ich die letzten 40 Jahre nicht beim Griechen oder Italiener gehört.
Guten Appetit.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen