Sonntag, 3. April 2011

Sabberrand


Mir machen viele Dinge auf der Welt Sorgen und Angst, es gibt aber auch Dinge, die mich faszinieren. Ein Sachverhalt aus unserem täglichen Leben gehört dazu.
Warum können wir Menschen nicht aus Tassen oder Gläsern trinken ohne Sabberspuren zu hinterlassen? Ich kann die Frage auch anders stellen, warum hat die Forschung noch keine Gefäße erfunden die eine sabberfreie Entnahme von Flüssigkeiten ermöglichen?
Ich habe im Selbstversuch, durch konzentriertes Trinken von verschiedenen Flüssigkeiten aus verschiedene Behältern, untersucht welche Mechanismen für das Sabbern verantwortlich sind. Ist es die Gestaltung des Randes? Ist es die Form der Lippe? Ist es die Technik, mit der die Lippe vom Gefäß gelöst wird? Ist es der Absetzwinkel?
Den Selbstversuch musste ich jedoch nach vielen Tagen ohne großen Erkenntnisgewinn ergebnislos abbrechen.

Als zweite Stufe wählte ich die Naturbeobachtung. Wochenlang habe ich meinen Mitmenschen beim Trinken auf den Rand geschaut und dabei zum Teil wirklich menschliche Schicksale entdeckt. Es gibt offensichtlich Menschen die keinerlei Wert auf eine Sabberhygiene legen, und geradezu vollmundig beim Absetzen ihrer Trinkgefäße agieren.
Da ich keinerlei „wischenschaftliche“ Arbeiten zum Thema gefunden habe, bin ich auf Ihre Mitarbeit angewiesen. Bitte unternehmen auch Sie Selbstversuche und teilen mir Ihre Ergebnisse mit. Können Sie eine Technik entwickeln zur Eingrenzung / Vermeidung von Sabberresten am Gefäßrand?
Bitte dokumentieren Sie Ihre Ergebnisse in Form von Bildern oder Videos, ich brauche diese für meine geplante Doktorarbeit mit dem Titel „Entwicklung einer Randhygiene zur Stabilisierung der Tischmoral im einundzwanzigsten Jahrhundert“

Aber keine Angst, ich strebe (noch) kein politisches Amt an.

Donnerstag, 24. März 2011

Es ist schön in der Provinz zu leben

Leider ist, es wie ich immer befürchtet habe, ich entwickle eine Großstadtallergie.
Es kann aber auch daran liegen, dass diese eine Straße in dieser einen Stadt komplett außerhalb der Statistik liegt.
Aber ehrlich gesagt, glaube ich das nicht.
Zum Einen ist es mir nicht gelungen, auf dieser doch langen und sehr belebten Straße eine Quelle für artgerechte Ernährung zu finden, sehr wohl aber 2 Solarien, 4 sogenannte Handygeschäfte, 3 Handygeschäfte, 3 Spielotheken, 3 Hotels, 2 Leihhäuser, 3 Drogerien, 1 Bestatter, 4 Friseure und andere nicht weiter interessante Immobilienbenutzer.
Natürlich gibt es auch zünftige Kneipen in denen es aber außer dem ortsüblichen extrem dünnlichen Bier, Essbares nur in Form von Feinstaubbelastung gibt. Dies wird dann fröhlich "Raucherclub" genannt.
Mein Fluchtinstinkt hat mich daher auch am zweiten Abend zu Joey Pizza getrieben, da gibt es auch Salat, gepriesen sei der große Kürbis.
Was nun die Insassen dieser Straße angeht, wurden auch hier meine Erwartungen weit übertroffen. Jugendliche die Baumarktdesigner für tragbar halten, und ihre Deppenkappe gekonnt mit einer Bauchgurttasche kombinieren. Haarschnitte auf der männlichen Seite irgendwo zwischen Papillion, Gulag und Fremdenlegion, sympathisch sieht anders aus. Das findet übrigens auch Herr Walz.
Auf der weiblichen Seite zwischen Showtreppe und unsichtbar.
Hände die nicht mit offen getragenen Fernsprechgeräten bestückt sind, werden als Bierflaschenhalter genutzt.
Auch den Ohren schnürt sich der Hals zu. Der Verkehrslärm ist das Eine. Geisteskranke LKW Mörder rasen mit 80 durch die Straße oder komplett Tiefergelegte schaben sich die Plaste an den Fahrbahnmarkierungen ab. Das Andere ist die verbale Verständigung zwischen den Menschen, ich dachte Esperanto klingt anders.

Morgen Abend bin ich wieder in Oldesloe, dann ist wieder alles gut. Dort gibt es zwar auch die oben beschriebenen Dinge, allerdings sind die in Oldesloe alle nur liebevoll inszeniert um dem verschlafenen Ort etwas Großstadtflair einzuhauchen.

Sie wollen wissen in welcher Stadt und Straße ich gerade sitze? - Kein Kommentar.

Samstag, 12. März 2011

Rumkugelbrötchen

Die aufmerksameren unter Ihnen haben sicherlich mitbekommen, dass meine Sozialisierung deutlich im letzten Jahrhundert stattfand. Oder anders ausgedrückt, ich bin älter als 23.

Kürzlich kam in meiner Facebook-Gemeinde das Thema Rumkugel und die Frage auf, ob sich die Essgewohnheiten der Schüler von heute von den meinen, aus den Jahren 1970-1980, unterscheiden.
Wir trugen damals unser Taschengeld zum Bäcker und tauschten es gegen Gummischnuller oder Rumkugel- bzw. Negerkuss-Brötchen (Anmerkung der Redaktion: für die Verwendung von politisch unkorrekten Begriffen ist der Autor selbst und alleine verantwortlich).
Ein Negerkuss-Brötchen war für den kleinen Hunger, die Rumkugelvariante für den großen magenausfüllenden Einsatz berechnet und hat auch immer zur vollen Zufriedenheit funktioniert. Schließlich waren die Rumkugeln damals noch viel größer oder waren wir kleiner?
Aus Sicht der Ernährungswissenschaft war diese Kost auch durchaus fortschrittlich, kein Fleisch, nur Fett und Kohlenhydrate. Es gab allerdings immer wieder Gerüchte, dass Mäuseschwänze in Rumkugeln gefunden wurden, aber das waren sicher nur urbane Legenden.
Es gibt also auch Wurzeln der Schnellesskultur bei uns in Deutschland, nicht alles Schlechte ist aus den US of A. Wir haben auch selbst viele Schlechtigkeiten zu bieten.

Wollen Sie mir erzählen, was Sie in Ihrer Schulzeit am liebsten gegessen haben? Sie können das in Form von Kommentaren hier gleich unter diesem Text tun.

Samstag, 5. März 2011

Hurra - Wir machen da Urlaub wo andere Krieg machen!

Geiz ist geil, wir sind geil, uns ist alles egal, was uns nicht direkt vor dem Gesicht hängt.
Wie könnte es sonst sein, dass es ein Land gibt, in dem seit 30 Jahren der Ausnahmezustand herrscht, es aber gleichzeitig ein sehr beliebtes Billigurlaubsland ist. Das muss wohl an den ulkigen Gebäuden liegen, die dort im Wüstensand rumliegen, da ist ja nun wirklich egal was rechts und links vom Touristenbus tagtäglich auf der Straße passiert.
Das gleiche gilt übrigens für Tunesien, dort wurde fleißig eine Diktatur unterstützt, weil es dort so schön warm ist und die Kinder so niedlich betteln können.

Ich kann Ihnen aber eigentlich gar keinen Vorwurf machen, schließlich stand es nicht im Farbprospekt von ALDI, dass in diesen Ländern Politikmarionetten vom Block der "besseren" Länder dieser Welt eingesetzt oder unterstützt werden, nur um den "bösen Islam" nicht wachsen zu lassen. Es wäre wirklich zu viel verlangt, sich einmal nicht nur aus RTL oder dem Schweinebauch der örtlichen Anzeigenblätter sein Weltbild abzuholen.

Haben Sie schon Ihren Urlaub gebucht? Schauen Sie einmal in diesen Amnesty Report 2010
Die Welt wird verdammt klein, wenn wir Menschen alles das wüssten, was nicht in der Gala oder der Bäckerblume steht.

Ich wünschen Ihnen viel Spaß im Urlaub.
Ganz nebenbei bemerkt, im Harz ist es auch sehr schön. Dort gibt es auch (noch) überall ALDI und Mc Donald. Doch wenn wir so weiter machen, versteppt der Harz zu einem aus der Mode gekommenen Hubbel in der Landschaft.

Samstag, 26. Februar 2011

Hilfe, holt mich hier raus!

Gibt es in Deutschland überhaupt Unterschichten oder wird uns dieser Begriff nur permanent in unsere Tablettendose gelegt, damit wir weiterhin schön unser Klassendenken pflegen? Ist es das Huhn oder das Ei, wo ist der Anfang?
Zugegeben, für diese Kolumne bedurfte es eines Anstoßes in Form eines Keulenschlages in den Nacken, um mir selbst einmal darüber Gedanken zu machen (Keule siehe unten). Die notwendige Größe der Keule, zeigte mir wie subtil und perfide diese Verdummungskampagne angelegt ist.
Lesen oder hören Sie meine Quelle und machen sich Ihre Gedanken, mehr kann und möchte ich gar nicht erreichen.
Überlegen Sie doch einmal, würden Sie wollen, dass 82,5 Millionen Menschen in Deutschland aktiv an der Demokratie mitarbeiten? Doch sicher nicht, oder?
Ich bin sicher, dass es in Deutschland eine kleine Gruppe von Menschen gibt, die jede zweite Nacht schweißgebadet aufwachen, weil sie Alpträume hatten, in denen genau das passiert. Alpträume über ein Land in dem niemand mehr die Bild- Zeitung liest, in dem es keine Gala oder Blitz-llu, 90% Wahlbeteiligung, keine Stammeskämpfe (Fussball) mehr gibt und Chancengleichheit für alle Kinder gewährleistet ist.
Diese vielleicht 5.000 Menschen sind aber so gut vernetzt, dass es bei den Alpträumen bleibt. Der Trick ist, die Balance zu finden zwischen Verblödung und Konsumfähigkeit der Menschen. Ich fürchte, in nicht wenigen Tresoren liegen Abschriften Orwells "1984" als Masterplanstragegiepapier.
Durch Vernetzung können alle wesentlichen Dinge das Lebens beeinflusst werden, Presse, Fernsehen, Schule und Ausbildung, Arbeit.
Das Zauberwort heißt "Angst". Wer Angst hat, macht sich keine Gedanken um seine Mitmenschen. Wer Angst um seinen Status und seine Vorteile hat, ist ein idealer Systemroboter. Wer Angst hat, kann mit Feindbildern beliebig manipuliert werden, mal sind es Ausländer, mal Terroristen, mal Gewerkschaften. Es ist leicht, ein statistisches Ereignis zum Dauerzustand "Bericht zu erstatten".
Wer jeden Tag mitgeteilt bekommt, dass ein Mensch in der U-Bahn verprügelt wurde, hat Angst U-Bahn zu fahren. Was ist hier das Ei, was ist das Huhn? Das Huhn ist die Gesellschaft, die es frustrierten Jugendlichen erst möglich macht, aus der anonymen Masse heraus Aggression auszuüben. Das Ei, also die Aggression muss nicht verkündet werden, sondern der Missstand in der Gesellschaft.
Die andere Methode ist es, große Teile des Lande einer Paralysebestrahlung auszusetzen. Wir nennen diese Strahlung "Fernsehen".
Wer sich jeden Tag über Seifenopern mit sinnentleerten Geschichten und ebensolchen Schauspielern oder über die neueste Beleidigung eines Dieter B. an verhaltensgestörte Jugendliche unterhalten kann, will nichts mehr von der wirklichen Welt wissen.
Ich wünsche Ihnen heute Abend viel Spass beim Fernsehen, ich freu mich schon auf das große Finale im "Hausfrauen-Boxen ohne Mundschutz und Handschuhe" auf RTL. Super, da fließt endlich wieder einmal das Blut in Strömen.

Quelle: "Die verblödete Republik" von Thomas Wieczorek
Achtung: bei Amazon nur anschauen und dann in einer Oldesloer Buchhandlung bestellen und kaufen!

Samstag, 19. Februar 2011

Zeitung ohne Leser?

Ich lese gerne Zeitungen und Nachrichten.
Mit zunehmendem Alter möchte ich auch zunehmend mehr über die Welt wissen, auf den wir die Ehre haben zu leben.
Eine Seite bzw. Rubrik gefällt mir besonders, der „Blick in die Welt“. Warum? Ganz einfach, auf dieser Seite werden fast nur angenehme Dinge berichtet, nie werden dort Tote oder vermisste Menschen vermeldet. Dieser „Blick in die Welt“ soll uns sicherlich wieder den Glauben an die Menschheit zurückgeben, der uns ja auf den vielen Seiten davor genommen wurde. Fast jede Rubrik meldet Tote, Verletzte oder Bedrohte.
Muss das so sein? Sind wir wirklich nur am Negativem interessiert? Kaufen wir nicht nach Informations-, sondern nach Blut- und Tränengehalt?
Ich habe versucht, ein Bündel Neuigkeiten für Sie zusammen zu stellen, das geeignet ist Sie positiv zu stimmen:

Tunis:
Aufgrund der weltweiten Berichterstattung mussten mehrere Ghetto-Resorts schließen, da die Touristen ausblieben
Stuttgart:
Verwaltungsbehörden nehmen aufgrund von Bürgerprotesten Entscheidungen zurück
Berlin:
Alkoholmissbrauch in der Gruppe der 15-25 jährigen ist nach dem europaweiten Verbot jeglicher Werbung für alkoholischer Getränke auf fast 0 gesunken
Bad Oldesloe:
Der altStadt e.V. meldet das sich alleine im letzten Quartal 30 neue Vereinsmitglieder gefunden haben, die ab jetzt aktiv Feste in und für Oldesloe planen und organisieren wollen.

Brauchen Sie jeden Tag das Wissen, dass es anderen schlechter geht?
Wäre es komplett absurd, sich in der Frühstückspause über gute Neuigkeiten zu unterhalten?

Ich glaube, dass die Dinge die auf uns einwirken, uns im Wesen und Gemüt beeinflussen und uns ein Leben lang beeinflussen. Negative Dinge wirken negativ, positive Dinge wirken positiv.

Samstag, 12. Februar 2011

Hallo, Ich bin ein Schotte

Ich bin krank.
Infiziert mit einer Krankheit die mich froh und zufrieden macht. Die Krankheit, die mich befallen hat heißt "Apfel". Genauso gesund wie der Name klingt, so fühle ich mich auch.

Ich schreibe diese Kolumne noch schnell, bevor ich den letzten Rest meines freien Willens verloren habe und mich völlig der Gemeinschaft des Apfels ergeben habe. Ich befürchte das ich schon in Kürze alle meine Brücken zur Welt abbrechen werde und nach Kalifornien ziehen werde, um näher an der Wurzel des Apfelbaumes zu sein. Schon jetzt bin ich abhängig und habe körperliche Entzugserscheinungen, wenn ich einmal länger als 10 min nicht mein "Ich-Telefon", meine "Ich-Matte" oder mein "Schottenbuch" berühren kann.

Natürlich nenne ich, wenn wir alleine sind, alle Geräte beim echten Namen. Auch wenn wir Infizierten anderen Menschen begegnen, vorzugsweise Anhängern der Gemeinschaft WinzigWeich, berichten wir stolz über unsere Familienmitglieder und loben diese in höchsten Tönen. Wir sehen unseren Geräten natürlich auch kleine Fehler und Unzulänglichkeiten lächelnd nach, schließlich sind wir nicht böse auf Mitglieder der eigenen Familie.

Noch nie habe ich jemanden etwas, das aus der WinzigWeich Gemeinschaft stammt, loben hören. Vielmehr erinnere ich mich an Aussprüche wie: "Diese Dreckskiste" , "Das lahme Aas" oder "Ich habe keine Ahnung warum das nicht geht, einfach neu starten, dann geht es vielleicht"

Rückwirkend betrachtet schaue ich leider selbst auch auf 3 Jahrzehnte Mitgliedschaft in der WinzigWeich Gemeinschaft. Auch ich war gezwungen, jeden Tag viele Male lästerlich zu fluchen, ja oft sogar verzweifelt zu weinen. Jetzt weiß ich, dass ich mich 30 Jahre lang durch einen Berg aus Reisbrei essen musste, um endlich im Schlaraffenland anzukommen. Ich hatte niemanden, der mir eine Abkürzung zeigte, darum musste ich den langen leidvollen Weg der Entbehrung und der Frustration gehen, um endlich im Land des Honigs und der Äpfel anzukommen.

Sie haben es hoffentlich besser. Vielleicht sind Sie noch jung, wenn Sie diese Kolumne lesen und hatten noch nicht 30 Jahre lang staubtrockenen Reisbrei im Mund.

Kommen Sie in unsere Gemeinschaft, wir nehmen Sie mit offenen Armen auf und lassen Sie das Leid und den Frust schnell vergessen. Nehmen Sie Äpfel in Ihre Familie auf, Sie werden es nicht bereuen.

Ich freue mich darauf, Sie bald in unserer Gemeinschaft begrüßen zu können.


P.S. Ich durfte natürlich in diesem Text nicht die echten Markennamen verwenden, denn ich habe keine Lust abgemahnt zu werden.

P.P.S. Hatten Sie die Geschichte auch schon vergessen? Das Land des Honigs und der Äpfel